Wirbeltiere

Bevor Pflanzen und Tiere das feste Land besiedelten, gab es im Wasser erste Tiere mit einem Innenskelett.

Aus Fischen entwickelten sich über 500 Millionen Jahre Lurche, Kriechtiere, Vögel und schließlich Säugetiere.

Auch das Säugetier Pferd gehört zu den Wirbeltieren.

Alle Wirbeltiere haben ein Knochenskelett innerhalb des Körpers. Es stabilisiert, schützt und ermöglicht die Fortbewegung auf dem Land.

Bei vierbeinigen Wirbeltieren wie dem Pferd ist die Rückenwirbelsäule konstruiert wie eine Hängebrücke.

Alle inneren Organe werden durch die Wirbelsäule getragen und durch den Brustkorb geschützt: Herz, Lunge, Leber, Milz, Magen, Darm, bei einer trächtigen Stute auch das ungeborene Fohlen.

Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule.

In der Wirbelsäule verlaufen wichtige Nervenbahnen. Über das Rückenmark im Wirbelkanal steuern sie Reflexe und bewusste wie unbewusste Reaktionen.

Die Wirbelsäule eines Pferdes schützt das Rückemark, ist aber selbst wenig geschützt. Jede Einwirkung auf den Rücken wirkt sich unmittelbar auf die beweglichen Wirbelkörper aus.

Die Wirbelsäule ist Angriffspunkt großer Raubtiere, die Pferde mit einem Biss ins Genick töten. Ein Wolf versucht, an den empfindlichen Rücken des Beutetieres zu kommen. Lasten auf dem Rücken empfinden Pferde daher instinktiv zunächst als Bedrohung.

Pferde haben große Angst, wenn etwas oder jemand sich von oben nähert oder sogar seinen Rücken berührt.

Beim Einreiten muss das Pferd diese Angst überwinden. Ohne Vorbereitung wehren Pferde sich heftig.

Das ist für Reiter und Pferd gefährlich. Die meisten Pferde geben irgendwann auf und ertragen den Reiter. Sie geben auf, sind „gebrochen“.

Welchen Schaden ihre Seele leidet, kann man kaum ermessen.

Andere Pferde kämpfen lange gegen den Reiter, gefährden dabei sich und andere.

 

Wer seinem Pony so ein Erlebnis ersparen möchte, muss behutsam vorgehen. Pferde verlieren die Angst schnell, wenn sie in Ruhe lernen, den Menschen zu tragen. Viele Möhren helfen dabei.

 

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, die über Knorpelscheiben verbunden sind. Dieses System ermöglicht Bewegung und gleicht Gewichtsunterschiede aus.

Die Konstruktion ist zwar stark, aber auch störanfällig. Wenn die Wirbel sich zu stark bewegen, stoßen die knöchernen Fortsätze der Wirbel aneinander. Das ist sehr schmerzhaft.

Ein Pferd mit starken Rückenschäden kann nicht mehr geritten werden. Eine Stute darf dann auch keine Fohlen mehr bekommen.

Zum Tragen von Gewichten ist ein Pferd eigentlich nicht geboren. Auch ein gesundes Pferd kann nur ein bestimmtes Gewicht tragen.

Viele eher grobknochige, kurzrückige Ponyrassen mit stabilen Beinknochen sind stärker als feingliedrige Pferderassen mit langem Rücken und dünnen Röhrbeinen.

Eine Faustregel sagt: ein Pferd soll nicht mehr als ein Fünftel seines eigenen Gewichtes tragen.

Islandpferde wiegen oft weniger als 350 kg und haben vergleichweise kleine Wirbel und dünne Röhrbeine.Für Erwachsene sind sie dann keine geeigneten Reittiere.

Ein gleich großes Highland Pony trägt bei stärkerem Knochenbau durchaus auch Erwachsene.

 

Die Größe eines Pferdes wird an der höchsten Stelle seiner Schulter, über dem Widerrist, gemessen.

Das Gewicht kann über bestimmte Formeln annähernd oder über eine Pferdewaage exakt bestimmt werden. Es schwankt zwischen den Jahreszeiten mit wechselndem Futterangebot.

Über die Tragfähigkeit des Tieres gibt vor allem die Struktur seines Knochenbaus Auskunft.

Tiere mit starkem Röhrbeinumfang und eher großen Wirbelkörpern sind zwar oft kleiner, aber wesentlich belastbarer als ihre größeren, zierlichen Artgenossen.

Zu frühes Einreiten, zu frühe Trächtigkeit, zu schwere oder ungelenke Reiter, extreme Bewegungen beim Reiten oder schlecht sitzende Sättel können den Rücken eines Pferdes für immer schädigen.

Wer ein eigenes Pony sucht, wählt möglichst auch für Kinder kein zu kleines Tier aus. Die Beziehung zwischen Kind und Pferd sollte weiter bestehen, auch wenn das Kind aus dem Shetland-Pony-Alter herausgewachsen ist.

Kräftige Tiere ab ca. 1,40 m Stm. können durchaus auch leichtere Erwachsene tragen.

Viele zu kleine Ponys sind zudem ungezogen und schlecht ausgebildet, weil kein erfahrener Erwachsener sie ausbilden und bei Bedarf korrigieren kann.

Manchmal liest man, dass Kinder sich fremde Pferde auf einer Wiese zum „Reiten” „ausgeliehen” haben. Kennt das Pferd noch keinen Reiter oder ist der Rücken noch nicht stark genug, wird es durch solch unbedachte Aktionen für sein ganzes Leben geschädigt. Ein Fohlen kann an Rückeverletzungen verenden. Zumindest ist es in Folge als Reittier und zur Zucht wertlos.

Auch die Angst vor einem Reiter - verbunden mit der Erinnerung an Schmerzen - verliert es vielleicht nie mehr.

 

Auf den Vorderbeinen trägt ein Pferd etwas mehr Gewicht als auf den Hinterbeinen. Der Reiter sitzt hinter der Schulter des Pferdes auf der stabilsten Stelle des Pferderückens. Weiter hinten - wie man es gelegentlich bei Gangpferdereitern und vor allem bei Eselreitern sieht - ist das Gewicht für das Tier schmerzhaft. Der Rücken kann dort weniger tragen.

Der Reiter sitzt über der Wirbelsäule des Pferdes. Sie ist sehr empfindlich. Dünne Pferde können Schmerzen haben, wenn ein Reiter ohne Sattel auf ihrem Rücken sitzt. Pferde mit sehr schmalem Rücken sind empfindlicher als Pferde mit breitem Rücken, deren Wirbelsäule gut geschützt liegt.

 

Ein passender Sattel schützt die Wirbelsäule vor Druck und verteilt das Reitergewicht auf größere Flächen rechts und links der Wirbelsäule. Der Sattel muss optimal sitzen. Sonst verursacht er Schmerzen. Der Kauf eines Sattels richtet sich nach der Anatomie des Tieres, seiner Verwendung, seinem Ausbildungsstand, die Reitweise und nicht zuletzt der Anatomie des Reiters. Gute Sättel passen nur dem Pferd, für das sie gebaut wurden. Heute gibt es flexible Sättel aus modernen Materialien. Sie sind leichter und anpassungsfähiger als Sättel mit starrem Baum, die trotz dicker Polsterung oft drücken.

Flexibel einsetzbar und auch für mehrere Pferde passend sind baumlose Sättel oder Sattelkissen. Für zeitlich begrenzten Einsatz, den Ritt nach Feierabend, einen gelegentlichen Ausritt am Wochenende, eignen sich diese Sättel gut. Sie richten auch dann keinen Schaden an, wenn das Pferd durch Trainingspausen, Belastung oder Krankheit seine Form verändert.

Für lange Strecken und Dauereinsatz kann ein gut angepasster Sattel mit festem Baum geeigneter sein.

 

Der Pferdehals ist durch starke Muskeln stabilisiert. Das Pferd trägt seine Nase sehr weit vor seinen Vorderfüßen. Mit dem Hals balanciert es sich auch in schwierigem Gelände und in schnellen Gangarten sicher aus. Augen und Ohren sind dabei immer aufmerksam „in der ersten Reihe“.

Ein Pferd braucht seinen Hals, um trittsicher zu laufen. Auch im Schritt setzt es bei unebenem Boden den Hals zum Balance-Ausgleich ein. Das Gewicht des Reiters trägt es über Nacken- und Rückenmuskeln. Das geht nur, wenn es den Hals frei bewegen kann.

 

Um vor seinen Füßen zu sehen, muss ein Pferd den Hals immer wieder leicht nach rechts und links pendeln lassen. Direkt vor der Nase sieht es nicht. Ohne Kopfbewegung kann es den Boden nicht prüfen. Wenn das Pferd sich erschreckt, will es den Kopf drehen, um sich nach der Gefahr umzusehen. Hält der Reiter sein Pferd immer an sehr kurzen Zügeln, kann es nicht besonders im Gelände genug balancieren.

Der Zug am Zügel wirkt im Maul und auf die Halswirbelsäule. Außerdem wird es ängstlich, wenn es nicht genug sehen kann. Auf dem Reitplatz kann man ein Pferd schon einmal etwas mehr mit dem Zügel führen. Die Hände müssen aber immer ruhig sein und dürfen das Pferd nicht über den Zügel stören. Manche Pferde kann man mit durchhängendem Zügel reiten und nur über leichteste Gewichtsverlagerungen und Signale steuern. Stimmt die Verständigung zwischen Pferd und Reiter, reagiert ein Pferd auch auf einen Halsring oder ein Seil um den Hals. Beim Menschen ist das Schlüsselbein die feste Gelenkverbindung vom Brustkorb zur Schulter.

Pferde haben kein Schüsselbein. Jede Bewegung und jede Last zwischen Rumpf und Vorderbein muss von Muskeln aufgenommen und weitergegeben werden. Die Vorderbeine des Pferdes sind daher nicht in alle Richtungen beweglich wie die Arme des Menschen.

Die Beine können nur parallel zum Körper bewegt werden. Seitliche Bewegungen kann ein Pferd aus der Schulter heraus nicht machen.

Wenn der Schmied die Hufe schneidet, muss er darauf achten, dass er die Gelenke nicht überdehnt. Die Beine dürfen nur nach vorne oder nach hinten herausgezogen werden. Der Schmied muss ganz nah seitlich am Pferd stehen. Er berührt es bei der Arbeit mit der Schulter, klemmt sich die Hufe zwischen die eigenen Knie oder legt sie auf dem eigenen Oberschenkel ab. So kann er - schmerzlos für das Tier - an den Hufen arbeiten.

 

Im Tierschutzgesetz sind alle Wirbeltiere besonders geschützt. Niemand darf einem Tier - speziell einem Wirbeltier mit seinem empfindsamen und empfindlichen Nervensystem - vermeidbare Schmerzen oder Schäden zufügen. Jeder muss so für sein Tier sorgen, dass ihm kein Schaden und kein Leiden entsteht.

Ausnahmen gibt es nur bei notwendigen Behandlungen durch einen Tierarzt. Wenn man dem Tier helfen will, lassen sich Schmerzen nicht immer vermeiden.

 

Eine tierärztliche Behandlung kann dennoch auch heftige Abwehrreaktionen provozieren, die dem Besitzer und auch dem Tierarzt gefährlich werden. Manchmal wird dann eine “Nasenbremse” eingesetzt, bestehend aus einem klemmenden Metall und einem Seil. Dieses Instrument wird dem Pferd um die Oberlippe gelegt. Sie wird zusammengedrückt. Durch diese gezielte Einwirkung werden im Gehirn Endorphine freigesetzt. Sie wirken wie eine leichte Betäubung. Auch in der Natur werden diese Stoffe bei Verletzungen, besonders großer Anstrengung oder positiven Sozialkontakten ausgeschüttet. Sie verhindern - wie manche Drogen oder Medikamente - die Schmerzweiterleitung, erzeugen ein leichtes Glücksgefühl und Wohlbefinden.

Leider reagieren nicht alle Pferde gleich gut auf die Anwendung der Nasenbremse. Einige sind regelrecht high, schlafen während der Behandlung fast ein, andere reagieren panisch und schlagen dann erst recht um sich. Ähnliches gilt übrigens auch für den Einsatz von Sedativa, Mitteln, die ein Tierarzt bei schmerzhaften Behandlungen spritzt, um das Pferd ruhig zu stellen. Die Reflexe funktionieren bei einigen Tieren trotz dieser Drogen so gut, dass der Tierarzt nicht gefahrlos arbeiten kann.